Mennoniten

Rathaus von Krefeld

Gestern fanden in Amerika die offiziellen Feierlichkeiten zum 250. Gründungstag der USA in Washington statt. Aus diesem Anlass ist auch vor dem Rathaus unserer Stadt die amerikanische Flagge gehisst, denn Krefeld und Amerika sind auf besondere Weise verbunden.

13 Familie aus Krefeld ließen sich am 6. Oktober 1683 nach fast dreimonatiger Überfahrt in der damals britischen Kolonie Pennsylvania nieder. Sie gründeten die erste deutsche Siedlung in Nordamerika und nannten sie Germantown. Es handelte sich um Mennoniten, Anhänger einer täuferisch-protestantischen Glaubensrichtung, die sie damals in Nordamerika freier leben konnten als in Europa.

Auf seiner Reise in die Neue Welt hatte der Jurist und Prediger Pastorius in Krefeld Halt gemacht und die Mennoniten für sein Projekt einer deutschen, am Glauben orientierten Siedlung in Pennsylvania gewinnen können. Eine Entscheidung, die viele der Auswanderer bald bereuten, denn zu Beginn kam Germantown wirtschaftlich kaum in Schwung. Es fehlte an Fachkräften und Material, um das Land urbar und ertragreich zu machen.

Doch die Siedler blieben standhaft, auch was ihre christlichen Werte betraf: 1688 verfassten vier Bewohner von Germantown den ersten Protest gegen die Sklaverei in Amerika. Nach und nach besserte sich die wirtschaftliche Lage. 1691 erhielt Germantown von der englischen Krone das Stadtrecht. Germantown ist heute ein Stadtteil der Metropole Philadelphia.

Den Siedlern aus Krefeld folgten viel weitere. Etwa 50 Millionen US-Bürger, ein Sechstel der Bevölkerung, führen heute ihre Wurzeln auf deutsche Einwanderer zurück. Dazu gehört der King of Rock‘n‘Roll Elvis Presley ebenso wie der Ketchup-Mogul Henry John Heinz, der Jeans-Erfinder Levi Strauss oder Flugzeug-Pionier William E. Boeing. Und schließlich hat sich auch der Opa des 47. Präsident der Vereinigten Staaten aus dem pfälzischen Kallstadt nach New York auf den Weg gemacht.

Gestern haben wir auch Christoph Wiebe kennengelernt. Er ist Pfarrer der Mennoniten-Gemeinde in Krefeld. Er hat uns auf einen Stadtspaziergang durch Krefeld begleitet und uns viele spannende Geschichten über das Wirken der Mennoniten in unserer Heimatstadt erzählt. Viele dieser Gemeindemitglieder waren sehr erfolgreich und haben die Geschichte Krefelds sehr geprägt. So ist das uns heute als Rathaus bekannte Gebäude der ehemalige Wohnsitz eines Mitglieds der Familie Von der Leyen.

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