Volltanken bitte!

Wir fahren ein Elektroauto. Das Fahrzeug wurde vor wenigen Wochen erstmals zugelassen. Und das Fahrzeugmodell ist erst seit wenigen Monaten auf dem Markt. Es ist also nicht unbedingt Alter Scheiß. Es ist nicht unser erstes Elektroauto. Nur sind wir bislang immer immer im näheren Umkreis unseres Wohnortes unterwegs gewesen. Geladen haben wir immer zuhause.

Wir fahren über die Autobahn. Es ist kalt. Und es ist klar, dass wir wohl den einen oder anderen Zwischenstopp werden einlegen müssen, um unser Ziel zu erreichen, das auf dieser Reise einige hundert Kilometer entfernt liegt. Auch mit einem Verbrenner hätten wir schließlich mal tanken müssen. Wir haben uns vorbereitet, Apps auf unsere Telefone installiert und uns bei namhaften Ladenetzbetreibern registriert. Doch sollte uns die Praxis zeigen, das nicht wenige Charge-Point-Operator die Rechnung wohl noch ohne die Kunden machen.

Wir müssen erfreut feststellen, dass inzwischen an vielen der Tank- und Rastanlagen entlang des Bundesautobahnnetzes Ladesäulen stehen. Etwas ernüchternd stellen wir aber auch fest, es sind zu wenige. Vor allem deshalb, weil vor einigen der Ladesäulen Verbrenner parken, deren Fahrer wahrscheinlich denken „Cool bleiben, ich bin ja gleich wieder weg!“. An jenem Wochenende, an dem wir unterwegs sind, ist es voll. Und so stauen und rangieren Fahrzeuge aller Antriebsarten auf den Rastanlagen in den Bereichen der Ladesäulen. Die Stimmung ist eher wenig entspannt.

Hat man dann einen Platz an einer freien Ladesäule, geht die Fummelei weiter. Das Freischalten und letztendlich das Bezahlen scheint, jeder Betreiber für sich neu erfunden zu haben. Kreditkarte, RFID-Karte, Smartphone-App, QR-Code… nichts will auf Anhieb funktionieren. Schließlich entscheiden wir nicht selten für das Ad-hoc-Laden. Und jedes Mal wird unsere Kreditkarte mit einer spürbaren Kaution belastet. Da kommt schnell ein stattlicher Betrag zusammen, der uns denken lässt, dass die Reise in einem Privatjet nicht viel teurer gewesen wäre. Was bleibt, ist das Vertrauen, dass die Betreiber keine Vollpfosten sind und dass wir nicht die ersten Kunden an dieser Ladesäule sind. Tage später und unter´m Strich hat die Rechnung dann auch irgendwie gepasst.

Neben den ungastlichen Tank&Rast-Anlagen besteht natürlich auch immer die Option, von der Autobahn abzufahren und eine Ladesäule in der Umgebung anzusteuern. Das scheint im Rückblick auf diese Reise, wahrscheinlich stets die bessere Option zu sein. Aber auch hier haben wir Licht und Schatten erlebt. Ladeparks, die bei Regen und Kälte keinen Aufenthalt für Reisende mit Hunden anbieten. Und auch Ladeparks, die alles bieten. Überrascht hat uns bsplw. der Ladepark HomE World in Wertheim an der A3. Das Teil war nagelneu und bietet Platz für gefühlte 1.000 Leute. Tatsächlich aber waren wir dort die einzigen Gäste. Was das für ein Geschäftsmodell sein soll, hat sich uns nicht erschlossen.

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